Das Bataillon

 

Kurze Geschichte unseres Grenadier-Bataillons

Die Geschichte unseres Bataillons reicht hingegen schon weit zurück, bis in das Jahr 1807. Alles begann nach der gewaltigen Niederlage bei Jena und Auerstädt, am 14. Oktober 1806. Die preussische Armee war geschlagen und zerstreut worden. Viele Regimenter der damaligen Armee befanden sich in Auflösung und die Mannschaften strömten einzeln oder in kleinen Gruppen, ihren heimatlichen Gefilden oder Garnisonen zu. Dann erhielt Friedrich Wilhelm von Götzen der Jüngere von König Friedrich Wilhelm III. den Auftrag, Widerstand gegen die französischen Truppen zu organisieren und die Provinz Schlesien zu verteidigen. Gleichzeitig wurde er zum stellvertretenden Generalgouverneur von Schlesien ernannt. In dieser Organisationszeit sammelte v. Götzen viele Zurückkehrer (sog. Ranzionierte) und Freiwillige und bildete aus diesen wieder Compagnien und Bataillone.

Von der Glatzer Festung aus setzte v. Götzen, welcher inzwischen am 23ten März 1807 zum Generalgouverneur ernannt wurde, den Rheinbundtruppen, die für Frankreich kämpften und von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte befehligt wurden, entschiedenen Widerstand entgegen. Durch geschickte Kriegsführung und Verhandlungen zersplitterte er die gegnerischen Truppen und verhinderte die Übergabe der Festungen Glatz, Silberberg und Cosel an den Kriegsgegner so lange, bis diese durch den Tilsiter Frieden, am 9ten Juli 1807, hinfällig wurden. In dieser Zeit wurde ebenfalls, gleichzeitig mit den übrigen provisorisch errichteten Truppen, auch das sogenannte „braune Grenadier-Bataillon“ errichtet. Hierüber gibt es unterschiedliche Quellen. Nach v. Thümen‘s "Geschichte der preußischen Garden"(S. 35) wurde „das braune Grenadier-Bataillon“ im Jahr 1807 in Glatz errichtet. Eine andere Notiz gibt spezieller an: „Das Bataillon wurde im Mai 1807 in der Festung Glatz aus einer schwachen Compagnie des Infanterie-Regiments v. Kropf, No. 31, sowie aus Abgaben des damaligen dritten und vierten Bataillons des Regiments v. Grawert, No. 47, und v. Alvensleben, No. 33, hauptsächlich aber aus Ranzionierten verschiedener Regimenter, formiert.“

Den Namen „Braunes Grenadier-Bataillon“ führte es nach seiner Uniform, die größtenteils aus braunen, in einem Kapuzinerkloster, nach anderer Feststellung aber in einem Montierungs-Depot des braunen Husaren-Regiments No. 6, vorrätig gewesenen Tuchen angefertigt war. Zur Uniformierung des Bataillons schrieb z. Bsp. Oberst a. D., W. Mente folgendes: "Die Uniformirung dieses Grenadier-Bataillons war, und zwar aus Gründen der als disponibel vorhandenen Tuchbestände, eine so eigenthümliche, daß die Beschreibung derselben in heutiger Zeit nur Verwunderung erregen kann. Ein blautuchener Uniformsrock mit kurzen Schößen, lederbraunem (die Lieblingsfarbe für die Bekleidung der männlichen Bevölkerung der Grafschaft [Glatz]) Kragen, Rabatten, Aufschlägen und selbst Schoßbesatz; alle diese Theile mit einer pfirsischblüthenfarbigen Passepoilirung versehen (die letzerwähnten farbigen Tuche waren die Abzeichen des aufgelösten Infanterie-Regiments Kropf No. 31). Lederbraune Beinkleider, mit einem wie vorerwähnten farbigen Passepoil und schwarzen, aber ganz kurzen Tuchgamaschen. Als Kopfbedeckung diente ein dreickiger Hut mit einem etwa sechs Zoll langen schwarzwollenen Buschel. Wegen der braunen Uniforms-Abzeichen wurde dieser Truppentheil allgemein die "braunen Grenadiere" genannt."

Am 21ten November 1808 wurde das Bataillon organisatorisch dem ebenfalls neugestifteten 1ten und 2ten Schlesischen Infanterie-Regiment zugeteilt. Die erste und zweite Compagnie wurde dem 1ten Schlesischen Infanterie-Regiment, die dritte und vierte Compagnie dem 2ten Schlesischen Infanterie-Regiment zugeteilt. Im Manöver oder im Kriegsfall wurde jedoch wieder das geschlossene Grenadier-Bataillon gebildet. In dieser Organisation bestand es bis zum 14ten Oktober 1814, als es dem neu gestifteten Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment, als Füsilierbataillon einverleibt wurde.

Nach v.Thümen erhielt es am 18. Februar 1809, den Namen „Schlesisches Grenadier-Bataillon“. Am 28.03.1812 bekam das Bataillon zwei Fahnen, von denen die eine (ehem. IR No. 38) dem 1ten Schlesischen Infanterie-Regiment und die andere (ehem. IR No. 33) dem 2ten Schlesichen Infanterie-Regiment angehört hatte. Mit Ausbruch des Krieges 1813 liefert das Bataillon einer seiner zwei Fahnen in das Depot ab, da seine Majestät König Friedrich Wilhelm III. geruhte zu bestimmen, daß jedes Bataillon nur eine Fahne ins Feld führen solle. Dem Bataillon verblieb nun die Fahne, welche im März 1809 dem 2ten Bataillon des 2ten Schlesischen Infanterie-Regiments, aus dem Zeughaus zu Glatz überwiesen worden war. Diese wurde vormals von dem ehem. Infanterie-Regiment No. 33 v. Alvensleben abgeliefert, als der frühere Etat von 10 Fahnen auf 4 Fahnen pro Regiment herabgesetzt wurde. In der Schlacht bei Möckern zerschmetterte eine Kartäschenkugel die Fahnenstange, welche daraufhin mit einem silbernen Bande, auf welchem Tag und Jahr dieses Ereignisses verzeichnet ist, wieder verbunden wurde. Nach der Allerhöchsten Kabinets-Ordre vom 03.06.1814 sollte nun auch diese vor dem Feinde geführte Fahne, in ihrer Spitze das Eiserne Kreuz tragen. Die Verleihung des Kreuzes geschah jedoch, durch den erneuten Kriegsausbruch, erst am 31.05.1815.

An Kommandeuren standen seit der Formation des Grenadier-Bataillons im Jahre 1807 demselben vor:

1.) Major v. Losthin , seit Formierung bis 18.02.1809

2.) Major v. Thiesenhausen, 18.02.1809 – 21.03.1811

3.) Major v. Glan, 11.04.1811 – 26.08.1814

4.) Major v. Burghoff, 26.08.1814 bis zur Einverleibung in das Kaiser Franz Grenadier-Regiment

Das Bataillon nahm, als Bestandteil der Oberschlesischen Brigade, nach dem Waffenstillstand im 1ten Corps, der Schlesischen Armee des General von Blücher, in den Jahren 1813 und 1814 an bedeutenden Schlachten und Gefechten teil. So kämpfte es ruhmreich und aufopfernd in den Schlachten und Gefechten bei Groß-Görschen, Bautzen, Katzbach, Wartenburg, Leipzig/Möckern, Freiburg, St. Dizier, Montmirail, Laon, Chateau Thierry, Guè á Trême (heute Le Gué à Tresmes) und Paris.

Das Grenadier-Bataillon verlor in den Feldzügen von 1813 und 1814:

an Toten: 5 Offiziere, 10 Unteroffiziere, 116 Grenadiere

an Verwundeten: 20 Offiziere, 16 Unteroffiziere, 460 Grenadiere

An Auszeichnungen erhielt das Grenadier-Bataillon: 4 eiserne Kreuze 1ter Klasse, 53 eiserne Kreuze 2ter Klasse, 12 Kaiserlich-russische Orden, hierunter 5 St.- Georg-Orden für Uffz. und Mannschaften.

Quellen: F. v.Ciriacy, "Chronologische Übersicht der Geschichte des preussischen Heeres", 1820; v.Thümen, "Geschichte der preußischen Garden", 1840; C. v.Gorszkowski, "Das Kaiser Franz Grenadier-Regiment", 1854; v.Gröling II, "Geschichte des 1ten Schlesischen Grenadier-Regiments", 1861; Sec.-Lieutenant Eduard Lange, "Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges", Band 80, Jahrgang 1850; Oberst a. D., W. Mente, "Von der Pieke auf", Berlin 1861